„Gedichte mal anders“
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„Gedichte mal anders“

Projektarbeit Klasse 8b und 9a

Fragt man den einen oder anderen Schüler, dann würde man vielleicht hören, dass Gedichte gelegentlich eine schweißtreibende Angelegenheit sein können: Stilmittel erkennen, Reimschema beschreiben, Inhalt zusammenfassen, Wirkung herausstellen etc.
Doch die Auseinandersetzung mit Gedichten im Deutschunterricht ist viel mehr. Das konnten nun Schüler und Schülerinnen der Jahrgänge 8 und 9 im Rahmen des Projekts „Gedichte mal anders“ herausfinden. Sie haben ein Gedicht ausgewählt und sollten den Inhalt und die Wirkung ihres Gedichts in einer Form ihrer Wahl darstellen. Dabei kamen viele kreative Ideen zustande. Einige haben das Gedicht in ein Gemälde umgewandelt. Andere haben die vergleichsweise kurzen Gedichte in ausführliche Kurzgeschichten umgeschrieben. Wieder andere haben ein Daumenkino oder eine Flaschenpost erstellt. Ihrer Kreativität waren dabei keine Grenzen gesetzt. Im Folgenden finden sich einige der durchweg gelungenen Ergebnisse:

Malin (9a)

Friedrich Halm – Buch und Rose
Ein altes Buch in pergamentnem Band,
Jahrhunderte vielleicht nicht aufgeschlagen –
Weil fremd sein Wort erklingt aus fremdem Land
Und alte Dichter wenig behagen.
Ein altes Buch fiel jüngst mir in die Hände,
Und wie ich träumend seine Blätter wende,
Und Moderstäubchen wirbelnd mich umfliegen,
Seh staunend ich in seinem Schoß verdorrt,
Doch Lenzensduft noch hauchend fort und fort,
Verblichen, farblos eine Rose liegen.

Kevin (8b)
Anna Hanneken – Weil Engel immer Engel sind

Am Himmel hoch auf einem Wölkchen
saß einst ein kleines Engelein,
das sah herunter auf die Welt,
betrachtete das bunte Völkchen,
das unten auf der Erde war
und hat sich bald hinzugesellt.

Es fand in einem kleinen Haus
ein Mädchen, krank und unheilbar,
so schwach und elend sah es aus.
Und weil das Englein gütig war
(weil Engel immer Engel sind)
kam es zum kleinen, kranken Kind
und wollt‘s ein letztes Mal erfreu‘n,
nahm zart das Mädchen in die Arme,
in seinen Flügeln schlief es ein…

Jara (9a)
Max Hoffmann – Straßenbild

Hier ist der Kreuzungspunkt! Hier pulst das Leben!
Ein ewiges Gedränge und Geschiebe!
Die Wagen rollen, und die Menschen rennen;
Ein Zischen wie aus einem Hexenkessel
Schwirrt überall, und Staub liegt schleierartig
Bleigrau darüber als ein schmutz’ges Sargtuch.

Willst du die Straße queren, sieh dich vor!
Hier Pferdehufe, dort die raschen Räder,
Und dort die Fäuste, die ein ?lieber Mitmensch”
Dir drängend in die Seite stößt – in Hetzjagd
Mußt du deshalb, nach allen Winden blickend,
Von einer Häuserreih’ zu andern laufen …

Inmitten dieses martervollen Wirrwarrs
Spaziert vergnügt ein kleiner blauer Käfer.
Er wählt sich inmitten auf dem lauten Damm
Ein Riesenloch, so groß wie eine Nuß,
Macht sich’s dort häuslich und beginnt geschäftig
An einem Krümchen, das er fand, zu knuspern.

Henry (8b)
Johann Wolfgang von Goethe – Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ –

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ –

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ –
Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! –

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

Claudia (9a)
Julius Bierbaum – Liebe und Tod

Zwischen Rosenranken steht der kleine Gott,
Nackt im Fleische seiner süßen Lust
Vor dem Haus, dem er sein Glück beschert.

Kommt die Todesgöttin, grünlichweiß
Überschleiert, lakeneingehüllt,
Hebt den Arm zum Tor und will hinein.

»Ach, in meine Rosen schreite nicht!«
Wehrt der Gott, »ich rankte sie ums Haus,
Denn es heimt jungheiße Liebe drin.«

Doch die Göttin mit gesenktem Haupt
Hebt den starken Arm . . . Die Türe kreischt,
Und die Rosen, eben aufgeblüht,
Fallen ab vom Stamm.
Die Stille klagt.
In die nackten Rosenranken weint der Gott.

Berenike (9a)
J.H – Angst

(C) M. v. Deest